Was hat ein mannshohes, goldglänzendes Osterei auf der Skipiste zu suchen? Eigentlich nichts. Ausser, es
kommt jemand auf die kuriose Idee,
einen Snowboard-Wettkampf als
«Der goldene Eisprung» zu betiteln.
Dieser buchstäblich ei-gensinnige
Name verpflichtete und so leuchtete
am Ostersamstag ein grosses goldenes
Ei gegenüber der Sternen-Bar
auf Marguns. Nicht wenige Skipassanten
hielten an und schauten zu,
wie Snowboarder und Skifahrer Drehungen
und Tricks über das Riesenosterei
sprangen.
Das Tal der Boarder
Die Darbietungen der rund 50 teilnehmenden
Mädchen und Burschen
im Alter von 9 bis 30 Jahren wurde
von einer prominenten Jury beurteilt,
die aus einheimischen Snowboardern
der ersten Stunde bestand. Reto
Lamm, Gianpaul Schmidt, Patrick
Koller und Daniel Sappa hatten den
Sport in den 90er Jahren weit über
die Engadiner und Schweizer Grenzen
hinaus geprägt und waren stolze
Teamfahrer des «Boarders Valley».
Unter diesem Label traten die
Oberengadiner Bergbahnen damals
auf dem Snowboardmarkt auf. Im
Zuge der Destinationsbildung jedoch
verschwand der Name; bis Corsin Simeon,
ein junger Web-Designer und
Snowboarder aus S-chanf, fragte, ob
er die Internetseite www.boarders-valley.com wieder aktivieren dürfe.
«Ich bewunderte früher die Boarders-
Valley-Riders und wollte auch
dazu gehören. Als ich dann soweit
war, gab es das Team auf einmal nicht
mehr», erklärt Simeon seine Beweggründe,
um unter dem bekannten
Label wieder eine Plattform für die
einheimische Snowboardszene zu
schaffen.
Das Vorhaben gelang und fand seinen
vorläufigen Höhepunkt im «Goldenen
Eisprung». Das Osterspektakel
auf Marguns war der erste Event,
den Simeon und seine Freunde organisiert
hatten, weitere sollen im
nächsten Winter folgen.
Dank des vielen Schnees konnte
ein richtig grosser Sprung gebaut
werden, der Flüge von bis zu 25
Metern erlaubte. Umständlicher als
erwartet war hingegen das Beschaffen
des goldenen Eis. Nach langem
Suchen wurde man schliesslich bei
einem Bioeier-Produzenten im aargauischen
Fricktal fündig, der den
jungen Event-Organisatoren sein
1.80 Meter hohes Werbe-Ei aus Plastik
schenkte.
Erfolgreiche Talente
Beim Wettkampf zeigte Simeon,
dass er nicht nur Talent im Eiersuchen
sondern auch im Snowboarden
hat. Der 23-Jährige gewann nämlich
die Kategorie Snowboard vor Sandro
Damiani aus Scuol und Davide Beltracchi
aus Celerina.
Der im Engadin ansässige Profi-
Snowboarder Daniel Rietmann ist
begeistert vom 16-jährigen Beltracchi.
«Er hat ein unglaubliches Trick-
Repertoire und eine super Brett-
Kontrolle.» Rietmann begleitet
Beltarcchi deshalb am kommenden
Wochenende nach Ischgl und betreut
ihn am «World Rookie Fest», einem
bedeutenden Nachwuchswettkampf
mit internationaler Konkurrenz.
Neben Beltracchi gibt es im Tal
noch weitere junge Snowboarder,
die diesen Winter gute Leistungen
zeigten. In der Gesamtwertung der
Snowboardcross Swiss Series etwa
gingen gleich drei Engadinerinnen
und ein Engadiner als Sieger hervor:
Larissa Gasser aus Madulain und
Marco Jovic aus Champfèr bei den
unter 12-Jährigen, Astrid Kurmann
aus St. Moritz in der Kategorie U14
und Vanessa Allenspach aus St. Moritz
bei den unter 16-Jährigen. Kurmann
wurde zudem Schweizermeisterin
in ihrer Altersklasse.
Trainiert werden diese Jungathleten
von Marc Raess, unterstützt wird der
Snowboard-Coach mit Fachausweis
vom Skiclub Alpina St. Moritz. «Das
Interesse an Kids, die mit einem
Coach zusammen fahren wollen, ist
gross, doch die Kapazitäten sind leider
begrenzt», sagt Raess. Er trainiert
mit seinen dreizehn Schützlingen vor
allem die Disziplinen Snowboardcross
und Big Air und begleitet sie an
Wettkämpfe.
Ein noch grösseres Ei
Am «goldenen Eisprung» nahmen
sie selbstverständlich auch teil. Dank
Lukas Parli aus St. Moritz, der vor
Giovanni Mengotti aus Zuoz die Juniorenwertung
gewann, waren Reass’
Schützlinge siegreich in der Junioren-
Kategorie. Dritter wurde Sandro
Zimmermann.
Bei den Damen stiegen Fabiana
Schmied aus Scuol, Annina Huder
aus Celerina und Astrid Kurmann
aufs Siegertreppchen. Der in Scuol
ansässige Florian Burkhard siegte
bei den Freeskiern vor dem Celeriner
Pascal Zwicky und dem St. Moritzer
Federico Pool.
«Als ich die Schanzenanlage sah,
hatte ich Herzklopfen. Zum Springen
war sie dann aber super, ich hatte
viel Spass, es war ein toller Anlass»,
so das Fazit von Burkhard. Zufrieden
mit dem ersten «goldenen Eisprung»
waren auch Corsin Simeon und das
Boarders-Valley-Team. «Im nächsten
Jahr wollen wir aber ein noch grösseres
Ei organisieren.»
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